1. Mai 2017 | Unkategorisiert

Richtig sehen beim Sport

In den vergangenen vierzig Jahren hat sich sowohl die Kontaktlinsenoptik als auch der Sportsektor rasant entwickelt. Neue Linsenmaterialien, Herstellungsverfahren, Basiskurven und Randgestaltungen der Kontaktlinsen vergrößerten das Produktportfolio, sodass die Kontaktlinse für alle Augen und Tätigkeiten einsatzbereit wurde.

Zur gleichen Zeit erlangte der Sport einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und Professionalität. Sport wurde Trend, Sport und Bewegung bedeutet fit sein, Sport wurde zur Marke und gehört zum Image, sodass Sport zu einem begehrten Markenartikel sowie zur Handelsware wurde. Trotz dieser positiven Entwicklung ist festzustellen, dass die Marktentwicklung Kontaktlinsen im Sport nur bei der Altersgruppe der 14- bis 35-Jährigen stattfindet. Bei der Altersgruppe der über 35-Jährigen werden kaum mehr Kontaktlinsen beim Sport getragen wie vor 10 Jahren. Dr. Schnell ermittelte in einer Umfrage, dass trotz optimaler Versorgungsmöglichkeiten mit Linsen im Sport 30 % bis 40 % der Fehlsichtigen ihren Sport nach wie vor ohne Korrektur betreiben. Von den regelmäßig sporttreibenden Kontaktlinsenträgern sind trotz Einführung hoch gasdurchlässiger Silikon-Hydrogellinsen immer noch 60 % mit normalen, wenig gasdurchlässigen Weichlinsen versorgt. Ebenso stellte Josef Haag in einer Studie fest, dass ungefähr 40 % der sporttreibenden Fehlsichtigen keine Korrektion beim Sport benutzen. Bei den Sportlern mit Kontaktlinsen war der Anteil der Frauen höher als bei den Männern. Fast 70 % der sporttreibenden Männer haben noch nie einen Kontaktlinsentrageversuch gemacht, während bei Frauen der Anteil nur 50 % war.

Sportphysiologie bei Kontaktlinsen

Die Physiologie der Hornhaut wird durch das Einsetzen von Kontaktlinsen umso intensiver beeinflusst, je schlechter die Linse sitzt, je wärme- und gasundurchlässiger und je dicker sowie unbeweglicher die Kontaktlinse ist. Der Abtransport von Stoffwechselprodukten wird durch das Tragen von Linsen beeinträchtigt und bei Linsen mit einem Dk/t-Wert unter 85 wird zudem die Sauerstoffzufuhr gemindert. Deshalb Ist bei hohen sportlichen Belastungen ein hoher Dk/t-Wert, der eine gute Sauerstoffversorgung der Hornhaut gewährleistet, erforderlich.

Wenn kein Sport betrieben wird, dann metabolisiert der Körper 95 % der Nährstoffe aerob und nur 5 % anaerob. Somit ist die Produktion der Brenztraubensäure (Milchsäure) sowie Säuerung des Blutes gering. Beim Sport entsteht der Hauptverbrauch an Stoffwechselenergie durch die Muskelarbeit. Die ersten Muskelkontraktionen zu Beginn einer körperlichen Belastung erfolgen durch Energie­lieferung des ATPs (Adenosintriphosphat), welches im Muskel vorhanden ist. Nach Aufbrauchen des in den Muskeln vorhandenen ATPs wird Energie über den Abbau von Kreatinphosphat gewonnen. Jedoch ist auch dieser Energiespeicher nach rund 20 bis 30 Sekunden sportlicher Belastung aufgebracht. Nachfolgend deckt der Organismus seinen Energiebedarf über die Glykose, das heißt über den anaeroben Abbau von Glykogen-Energie aus dem oxidativen Abbau von Glukose zu Kohlendio­xid und Wasser. Bei extremen Dauersportarten werden zusätzliche Fettreserven abgebaut, um die Glykogenreserven der Leber zu schonen. Die Hornhaut kann wegen ihres Mitochondrienmangels die Energiereserven der Fettdepots nicht nutzen.

Bei allen sportlichen Aktivitäten ist Glukose die kritische Größe. Um im Sport erfolgreich zu sein, muss Glukose in ausreichendem Maße vorhanden sein, da es sonst zu einer Unterzuckerung kommt. Folge einer Unterzuckerung können unter anderem Sehstörungen, Schwindel, Orientierungs- oder Konzentrationsstörungen sein. Kurzzeitige Minderversorgung der Hornhaut, ausgelöst durch Glukose- oder Sauerstoffmangel, führt zu temporären intrazellulären Wasseransammlungen, den sogenannten Blebs. Sie bilden sich im Allgemeinen innerhalb von 6 bis 24 Stunden zurück. Länger andauernde Stoffwechselstörungen haben allerdings gravierende Folgen und können zu lokalen
Endothelzellverlusten führen. (Schnell, 2003)

Auswirkungen der Kontaktlinse auf das Auge unter Berücksichtigung von Umweltfaktoren beim Sport

Das Tragen von Kontaktlinsen bei sportlichen Aktivitäten hat gewisse Auswirkungen auf das Auge. Besonderheiten für das Auge beim Sport sind:

  • der Anstieg der Wärme im Auge
  • Linsensitzänderungen
  • Tränenprobleme (trockenes Auge bzw. vermehrtes Tränen)
  • häufiger oder seltener Lidschlag
  • mögliche Stoffwechselstörungen durch Säuerung oder Nährstoffverknappung

Durch das Betreiben von Sport erwärmt sich auch die Hornhaut, sodass der Stoffwechsel zu einer erhöhten Aktivität angeregt wird.
Der pH-Wert wird dadurch in den sauren Bereich verschoben und der Stoffwechselumsatz verstärkt. Sowohl ein Säurekollaps als auch ein
Glukosemangel können dadurch entstehen. Folge sind zunehmende Hornhautquellungen und möglicher Sehverlust. Eine Erhöhung der Temperatur um 10°C führt zu einer Beschleunigung des Stoffwechsels um das Zwei- bis Dreifache (Reaktionsgeschwindigkeit-Zeit-Regel). (Schnell, 2003) Bei sportlichen Aktivitäten spielen nicht nur die Auswirkungen auf das Auge eine bedeutende Rolle, sondern auch bestimmte, zu berücksichtigende Umweltfaktoren wie:

  • Gegen- und Fahrtwind (Austrocknung des Auges)
  • hoher oder niedriger Luftdruck
  • hohe oder niedrige Luftfeuchtigkeit
  • Staub- oder Schmutzbeeinträchtigung
  • Helligkeitsbelastung / Blendung
  • UV-Belastung
  • Besonderheiten bei Wasser- oder Unterwassersportarten

Merksatz: Grundsätzlich sollte der Sportler die gasdurchlässigste, wärmepermeabelste, beweglichste und bestens angepasste Kontaktlinse tragen, die vom Auge und Sport zugelassen wird.

 

Mögliche Komplikationen beim ­Tragen von Kontaktlinsen beim Sport

Beim Sport werden die meisten Probleme beim Kontaktlinsentragen durch ­Linsen-Defekte, Ablagerungen, Stoffwechselbeeinträchtigungen und Umweltbedingungen verursacht. Linsendefekte sind die häufigste Ursache für Beschwerden bei Weichlinsenträgern. Die Linsen weisen Einrisse, Ausrisse oder Knickfalten auf und verursachen somit teilweise erhebliche Hornhaut- und Bindehautveränderungen.
Durch das Betreiben von Sport weisen die Kontaktlinsen vermehrt Ablagerungen wie Proteine, Lipide und Muzine auf. Ablagerungen bilden sich durch den Sport schneller und häufiger als bei Nichtsportlern. Proteinablagerungen werden vor allem bei Hallensportarten, bei denen die Luft meist staubig und trocken ist, begünstigt. Bei hoch wasserhaltigen Kontaktlinsen führen Protein-, Schweiß- und Lipid­absonderungen bei Ausdauersportarten und Jelly Bumps bei Wassersportarten zu häufigen Problemen. Aufgrund dieser Ablagerungsproblematik sollen hoch wasserhaltige ionische Kontaktlinsenmaterialien gemieden werden. Stoffwechselbeeinträchtigungen können bei Sportarten mit anaerobem Stoffwechsel wie beim Kurz- oder Mittelstreckenlauf, Rudern und Turnen auftreten. Die Folge sind Hornhautödeme und Gefäßeinsprossungen in die Hornhaut. Weiters können sich Bindehautreizungen durch einen instabilen Sitz der Kontaktlinse ergeben. Durch lange körperliche Anstrengungen in Verbindung mit Fahrtwind, Schweißabsonderung und erhöhtem Tränenfluss bewegt sich die Kontaktlinse auf dem Auge vermehrt und wird instabil. Durch Umweltbedingungen können Hornhauterosionen, Hornhautödeme, Stippungen sowie Pilz- und Bakterienbefall verursacht werden. Bei Joggern und Läufern treten mögliche Erosionen durch Staubpartikel auf. Bei Schwimmern können dagegen durch Reaktionen des Chlorwassers mit der Kontaktlinse Hornhautödeme entstehen. Bei Hallensportlern sowie bei Wintersportlern sind Stippungen der Hornhaut durch stoffwechselbedingte und mechanische Störungen möglich. Bemerkenswert ist, dass Kontaktlinsen bei Wassersportarten öfter von Pilzen, Viren und Bakterien befallen werden.

Vorteile/Nachteile von Kontaktlinsen beim Sport

Ein erfolgreiches Betreiben einer Sportart setzt die Korrektion der Fehlsichtigkeit unumgänglich voraus. Bei Kontaktsportarten wie Boxen, Judo, Karate etc. ist das Betreiben des Sports mit einer Brille nicht möglich. Die Kontaktlinse bietet speziell im Sport, wie auch in der Freizeit viele Vorteile. Die perfekte Sportkontaktlinse für das Betreiben von Sport gibt es allerdings nicht. Es sind bei jeder sportlichen Aktivität gewisse Vorraussetzungen an das Kontaktlinsentragen geknüpft. Ein hoher Tragekomfort kann erreicht werden, wenn vor der Kontaktlinsenanpassung eine ausführliche Beratung sowie Anamnese gemacht worden ist. Die Linse soll rechtzeitig vor dem Sport eingesetzt werden, sodass der Sportler sich an die möglichen Unterschiede der Netzhautbildgrößen beim Wechsel von der Brille zur Kontaktlinse gewöhnt hat. Nicht außer Acht zu lassen ist eine mögliche staubige Umgebung, Schmutzpartikel und Staub können den Trage-Komfort negativ beeinflussen und zu einem plötzlich auftretenden, tränenden Auge führen. Mücken bei Radsportlern, Staub bei Reitern oder Sand bei Rallyefahrern können zu einem schweren Unfall führen, wenn sich ein Fremdkörper zwischen Hornhaut und Linse befindet. Desweiteren ist eine sorgfältige und konsequente Kontaktlinsenpflege Grundvoraussetzung für einen hohen Tragekomfort der Linsen im Sport (Scholz, 2004).

Störungen durch Kontaktlinsen

Störungen oder andere Nebenwirkungen durch eine Kontaktlinse können sowohl mechanische als auch physiologische Gründe haben, da die Linse für das Sys­tem Auge einen Fremdkörper darstellt. Mechanische Störungen durch eine Kontaktlinse haben meistens eine Beschädigung des Augengewebes zur Folge. Ursache kann sowohl eine nicht korrekt durchgeführte Anpassung der Linsen als auch eine Manipulation der Linse oder nicht korrekt durchgeführte Linsenpflege sein. Die mechanische Störung ist somit zeitlich begrenzt.

Physiologische Störungen sind dagegen nicht zeitlich begrenzt, da sie direkten Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel der Hornhaut nehmen. Ursache für die Störung des Stoffwechsels ist die fast komplette – bei Hydrogellinsen sogar die gesamte – Bedeckung des Epithels und der daraus folgenden Beeinträchtigung der Tränenzirkulation. Der Tränenfilm auf der Hornhaut kann beim Lidschlag nicht mehr vollständig erneuert werden, wie es ohne Kontaktlinse möglich ist.
Im Wesentlichen hängt die Beeinträchtigung der Tränenzirkulation und der damit verbundenen Unterversorgung durch Sauerstoff ab von:

  • dem Gesamtdurchmesser der Kontakt­linse
  • der Anpassart
  • dem Kontaktlinsenmaterial
  • der Lidschlagfrequenz des Kontakt­linsenträgers

Der Durchmesser der Kontaktlinse nimmt direkten Einfluss auf die Versorgung des Epithels der Hornhaut mit Tränenflüssigkeit. Eine Hydrogellinse bedeckt das ganze Epithel und partiell die Bindehaut, während eine formstabile Linse lediglich einen Teil des Epithels bedeckt. Die Art der Anpassung der Kontaktlinse beeinflusst entscheidend den Tränenaustausch und damit die Versorgung der Hornhaut. Eine steil angepasste, fest sitzende Kontaktlinse behindert den gesamten Tränenaustausch, mehr als eine Flach- oder Parallelanpassung. Größte Komplikationen treten bei formstabilen, gasundurchlässigen Kontaktlinsenmaterialien auf. Daher ist die Auswahl eines geeigneten Kontaktlinsenmaterials für die Tragemodalitäten des Linsenträgers von großer Bedeutung. Formstabile, gasdurchlässige Linsen und Hydrogellinsen gewährleisten einen teilweisen Austausch der Tränenflüssigkeit. Die Lidschlagfrequenz spielt eine nicht zu übersehende Rolle, da sie den Tränenflüssigkeitsaustausch und die Tränenzirkulation des Auges unterstützt und fördert.

Die Tränenflüssigkeit ist und bleibt der Haupt­lieferant des Auges für die Versorgung mit Sauerstoff. Wenn durch die Kontaktlinse eine nicht genügende Diffusion von Sauerstoff gewährleistet wird, können Stoffwechselprozesse verlangsamt oder sogar vollständig beeinträchtigt werden. Die Folgen sind Quellungen sowie Eintrübungen der Hornhaut.

Einsatzmöglichkeit von Kontakt­linsen beim Sport

Die Einsatzmöglichkeiten von Kontaktlinsen sind nicht nur im Sport sehr weitreichend. Das Produktportfolio ist sehr vielfältig, Eintageskontaktlinsen, Monatslinsen, Jahreslinsen oder die formstabile Kontaktlinsenvariante, für fast jedes Auge ist eine passende Kontaktlinse anpassbar, die die Fehlsichtigkeit optimal korrigiert.